Alterssimulationsanzug Ford Third Age Suit

Der Ford Third Age Suit ist nach unserem Kenntnisstand der Alterssimulationsanzug mit der grössten Resonanz weltweit.

Ende 1994 von der Loughborough University (UK) an Ford ausgeliefert, ist er der zweite komplette Alterssimulationsanzug (weltweit) nach dem AgeExplorer des Meyer-Hentschel Instituts, der bereits im Mai 1994 der Presse vorgestellt wurde.

Ford Third Age Suit, 1994
Ford Third Age Suit, 1994.
Foto: Ford of Europe, https://flic.kr/p/9eLKRT

 

Anfang 1994 kontaktierte die Ford Motor Company das Ergonomics and Safety Research Institute (ESRI) der britischen Loughborough University.

Sie wollten, dass ihre internen Ergonomen und Designer die Bedürfnisse älterer Autofahrer besser verstehen, um diese Bedürfnisse beim Design neuer Fahrzeuge zu berücksichtigen.

Die Ergonomie-Wissenschaftlerin Sharon Cook vom ESRI erinnert sich: “Ford knew that simply telling their ergonomists and designers about the problems older drivers faced was not enough – they needed to experience them in order to gain a true understanding.“

Die Baureihe Third Age Suit I wurde 14 Jahre lang von Ford für eine Vielzahl von Projekten eingesetzt, auch ausserhalb der Automobilindustrie.

Beispiel: Boeing

Der US-Flugzeughersteller Boeing nutzte den Ford Third Age Suit 2005 für die Optimierung des Interieurs beim neuen „Dreamliner“.

Der Ford Third Age Suit wurde von Boeing genutzt, um das Interieur des Boeing Dreamliners für alte Fluggäste zu optimieren.

 

Beispiel: Krankenhaus Architektur

Ford Third Age Suit
A suit that simulates old age
is helping architects design
more user-friendly hospitals

Ford Third Age Suit II

Ende 2008 begannen die Arbeiten am Third Age Suit II. Hierzu beauftragte die Ford Forschungszentrum Aachen GmbH das Meyer-Hentschel Institut, Saarbrücken, mit umfassenden Forschungsarbeiten und der Produktion eines Prototyps Ford Third Age Suit II.

Aufgabe war, das Modell I weiterzuentwickeln auf der Grundlage von Anforderungen, die sich im Gebrauch herausgestellt hatten. Insbesondere ging es darum,  die durch den Anzug erzeugbaren Einschränkungen variabel zu gestalten, um eine grössere Realitätstreue zu erreichen.

Im Juni 2009 wurde der erste Modell der Baureihe II Ford Third Age Suit ausgeliefert und der Presse vorgestellt. Kurz darauf wurden – nach kleineren Optimierungen – weitere Third Age Suits II ausgeliefert, nach Europa und in die USA.

Ford Third Age Suit II, 2009
Ford Third Age Suit II, 2009
Foto: Ford

Nachfolgend der Original-Text der Pressemeldung vom 29.06.2009 – 10:14

Für seine Entwicklungsarbeit im Bereich Ergonomie setzt Ford ganz neue Standards. Ab sofort werden Altersanzüge der zweiten Generation, so genannte Third Age Suits, in der Konzeption neuer Fahrzeuge eingesetzt. Als Pionier auf diesem Gebiet setzte Ford bereits 1994 den ersten Altersanzug bei der Entwicklung des ersten Ford Focus ein, der 1998 auf den Markt kam.

Durch Anlegen dieses Anzugs können sich die Entwicklungs-Ingenieure in den Zustand von älteren, oder auch jüngeren, in der Mobilität eingeschränkten Menschen hineinversetzen. Das bedeutet, dass mit Hilfe des Anzugs Gelenke versteift sowie die Beweglichkeit im Nacken- und Hüftbereich erschwert werden. Im Fußbereich simulieren spezielle Orthesen, die normalerweise nach Unfällen oder Operationen in der Orthopädie verwendet werden, eine Fußheberschwäche.

Mittels spezieller Handschuhe wird der mit zunehmendem Alter eingeschränkte Tastsinn simuliert. Gründe hierfür können in einer Erkrankung des Nervensystems liegen, deren Ursache häufig mit einer Zuckerkrankheit in Zusammenhang steht. Darüber hinaus kommt es auch im Bereich der Hände zu einem spürbaren, altersbedingten Kraftverlust, der ebenfalls durch die Handschuhe vorgetäuscht wird.

Das eingeschränkte Sehvermögen kann mit Hilfe von insgesamt 22 Brillen demonstriert werden, die dem Träger die unterschiedlichsten Augenerkrankungen, darunter die klassischen Beschwerden wie Alterssichtigkeit, Starerkrankungen oder die altersbedingte Makuladegeneration (Sehverlust am Punkt des schärfsten Sehens) im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen. Einer internen Untersuchung zufolge ist gerade die Sicht für Menschen im dritten Lebensabschnitt von großer Bedeutung. Der je nach eingesetzten Orthesen zwischen 5,3 und 6,9 Kilogramm schwere Anzug berücksichtigt neueste Erkenntnisse aus der Altersforschung (Gerontologie). Er ist über einen weiten Altersbereich (60 bis 85 Jahre) skalierbar und wurde in Zusammenarbeit mit dem Meyer-Hentschel Institut Saarbrücken, einem der Pioniere auf dem Gebiet des Seniorenmarketings, und der Universitätsaugenklinik Düsseldorf entwickelt.

Die beiden Altersanzüge werden im Ford Forschungszentrum Aachen sowie in der Produktentwicklung in Köln-Merkenich eingesetzt.

Für die Zukunft ist außerdem die Produktion weiterer Anzüge geplant, die für den Einsatz in der Forschung und der Produktentwicklung der Ford Motor Company in Nordamerika vorgesehen sind.

Am 1. September 2009 erläuterte Ford in einer weiteren Pressemeldung:

Wie Ford Fahrzeuge für Menschen mit Mobilitätseinschränkung entwickelt

Mobil zu sein, heißt weit mehr als eine bloße Ortsveränderung von A nach B. Es bedeutet, aktiv am Leben teilnehmen zu können, einen Beruf auszuüben, soziale Kontakte zu pflegen, etwas mit der Familie zu unternehmen, kulturelle Angebote wahrzunehmen. Mobilität bedeutet nicht zuletzt Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, Lebensqualität.
Ein wichtiges Instrument für die Verwirklichung der individuellen
Mobilität ist das Auto. Für die meisten Menschen ist das Autofahren eine alltägliche Selbstverständlichkeit, an die sie keinen Gedanken verschwenden. Einsteigen, starten, losfahren, ankommen …

Nicht so für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Studien zufolge gibt es in der Europäischen Union 45 Millionen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Für viele von ihnen ist das Autofahren mit einer Fülle von Herausforderungen verknüpft, die es individuell zu überwinden gilt. Was bedeutet es für das Autofahren, wenn die Gelenke altersbedingt oder aufgrund einer Erkrankung versteifen, wenn die Beweglichkeit
von Nacken- und Hüftbereich nachlässt, wenn der Tastsinn eingeschränkt
ist, sich die Sehkraft verschlechtert oder andere körperliche Mobilitätseinschränkungen auftreten? Kurzum: Wie sollte ein Auto für Menschen mit eingeschränkter physischer Leistungsfähigkeit konstruiert sein? Welche Autos wollen oder müssen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen fahren?

Die Suche nach Antworten auf diese Fragen, und damit die Entwicklung entsprechender Fahrzeuge, hat bei Ford traditionell einen hohen Stellenwert. Zugleich werden die Menschen immer älter („demografischer Wandel“). Im Kern geht es letztlich um drei Bereiche:

Sicht
– Rundumsicht und Rückspiegel
– Fahrzeugmaße
– Instrumente (Beleuchtung, Beschriftung oder Größe der Schalter, Sprache und Anordnung der Displays)

Ein- und Ausstieg
– Kopffreiheit
– Sitzposition/Sitzhöhe
– Bein- und Fußfreiheit
– Ausstieg bei engen Parklücken (Türöffnungswinkel)
– Höhe der Ladekante des Kofferraums

Erreichbarkeit und Ablesbarkeit der Bedienelemente
– Erreichbarkeit der Sicherheitsgurte
– Position/Bedienkraft von/für Lenkrad, Pedale, Schalthebel und Handbremse
– Radio und sonstige Bedienelemente

Ein unverzichtbares Hilfsmittel für die Ford-Ingenieure ist dabei der Altersanzug, den Ford als Pionier auf diesem Gebiet bereits seit 1994 einsetzt. Die erste Generation des so genannten Ford Third Age Suit („Altersanzug“) kam bei der Entwicklung des ersten Ford Focus zum Einsatz, der 1998 auf den Markt gebracht wurde. Seit Mitte 2009 verwendet Ford für die Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle zwei Altersanzüge der zweiten Generation.

Durch das Anlegen dieses „Anzugs“ können die Entwicklungs-Ingenieure körperliche Beschwerden und Gebrechen, die eine Folge von Krankheit und/oder des menschlichen Alterungsprozesses sind (und daher üblicherweise bei Senioren, aber auch bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität auftreten), authentisch simulieren. So

• können die Gelenke versteift sowie die Beweglichkeit des Nacken- und Hüftbereichs erschwert werden
• kann die Verringerung des Aktionsradius – und damit die im hohen Alter möglicherweise eingeschränkte Erreichbarkeit von Bedienelementen – simuliert werden
• können spezielle Orthesen eine Fußheberschwäche simulieren (Orthese, ein Kurzwort aus orthopädisch und Prothese, meint ein industriell oder durch Orthopädietechniker hergestelltes medizinisches Hilfsmittel, das zur Unterstützung von eingeschränkt funktionstüchtigen Körperteilen verwendet wird)
• kann mittels spezieller Handschuhe der mit zunehmendem Alter eingeschränkte Tastsinn simuliert werden. Gründe hierfür liegen möglicherweise in einer Erkrankung des Nervensystems,
deren Ursache häufig mit einer Zuckerkrankheit in Zusammenhang steht. Darüber hinaus kommt es auch im Bereich der Hände zu einem spürbaren, altersbedingten Kraftverlust, der ebenfalls durch die Handschuhe des Altersanzugs vorgetäuscht wird
• kann das eingeschränkte Sehvermögen mit Hilfe von insgesamt 22 Brillen demonstriert werden, die dem Träger Sehschwächen und unterschiedliche Augenerkrankungen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen – darunter die klassischen Beschwerden wie Alterssichtigkeit, Starerkrankungen oder die altersbedingte Makula-Degeneration (Sehverlust
am Punkt des schärfsten Sehens).

Der je nach Orthese zwischen 5,3 und 6,9 Kilogramm wiegende Ford-Altersanzug berücksichtigt neueste Erkenntnisse aus der Gerontologie (Altersforschung). Er ist über einen weiten Altersbereich (60 bis 85 Jahre) skalierbar und wurde in Zusammenarbeit mit dem Meyer-Hentschel Institut Saarbrücken, einem der Pioniere auf dem Gebiet des Seniorenmarketings, und der Universitätsaugenklinik Düsseldorf entwickelt.

Ford Third Age Suit III

Die Baureihe II wurde von Ford noch intensiver genutzt als die Baureihe I. So kam es, dass man sich 2013 entschloss, den grossen Erfahrungsschatz in die Entwicklung einer Baureihe III zu investieren. Wieder bekam das Meyer-Hentschel Institut, Saarbrücken, den Zuschlag für die Produktentwicklung.

Ford Third Age Suit III, 2013
Ford Third Age Suit III, 2013

 

Ford Third Age Suit
Motor journalist Kelly Taylor tests the Ford Third Age Suit, designed to age drivers by 30 years. The suit gives users the experience of being behind the wheel with limited mobility.

 

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Ausführliche Informationen zur Entwicklung des Alterssimulationsanzug, zur Geschichte, zu Anwendungen usw. finden Sie hier.